19.01.2012 Pennystocks-Szene im Umbruch – Teil 1: die Akteure
Pennystocks-Szene im Umbruch – Teil 1: die Akteure
von Markus Miller
Der Pennystockssektor ist in Bewegung – Fakt ist: der Pennystockmarkt in den USA befindet sich seit ca. Sommer 2011 massiv im Umbruch. Szene-Kenner verstehen die aktuelle Situation als fundamentalen „rule change“.
Der Umbruch vollzieht sich primär auf zwei Ebenen: einmal intern was die spekulativ interessierten Handelsteilnehmer selbst betrifft, zum anderen extern-organisatorisch in Bezug auf den Bereich der US-Onlinebroker – mit unmittelbaren Auswirkungen auf alle Handelsteilnehmer.
Wir skizzieren die aktuellen Changes in 2 Artikeln.
Faktor 1 – die Akteure bzw. der Umbruch innerhalb der Pennystocks-Szene
Der spekulative Handel mit Pennystocksaktien ist an und für sich ein typisches Phänomen des Internetzeitalters. Seit Ende der 90er Jahre begann das Handelsvolumen an OTCBB und Pinksheets sprunghaft anzusteigen. Zuletzt wurden am OTCBB in 2010 Wertpapiere im Wert von 19 Milliarden US-Dollar und am OTCmarket (ehemals Pinksheets) von über 80 Milliarden US-Dollar gehandelt.
Herausgebildet hat sich dieser rege Handel über ein schnell und stetig angewachsenes Netzwerk an global agierenden spekulativ interessierten Internetusern - in den großen Messageboards wie investorshub in USA oder wallstreet-online in Deutschland finden seither die entscheidenden Aktivitäten statt. Dort werden Gerüchte, Fakten und News diskutiert, in diesen Communities bildet sich letztlich der Buzz und das Momentum, das insbesondere für den spekulativen Handel von Pennystocks-Aktien so entscheidend ist.
In fast allen diesen Communities gab und gibt es das, was wir die "Alphatiere" unter den Usern nennen – Diskussionsteilnehmer- bzw. -initiatoren also, die sich durch ihre Marktkenntnis und durch ihr Research Autorität bei vielen anderen erworben haben und dementsprechend großen Einfluß auszuüben imstande sind.
Bis vor wenigen Monaten waren es noch diese "Alpha-User", die mittels ihrer Community-Netzwerke entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung von Buzz und Momentum einer Aktie nehmen konnten.
Seit Anfang des Jahres 2011 beobachten wir hier aber nun starke Verschiebungen innerhalb von Struktur und Vernetzung der Communities:
Die "Alpha-User" verlassen zunehmend den Markt: entweder komplett oder zugunsten anderer lukrativ erscheinender Spekulationen wie z.B. dem Options-Trading etc. - zugleich treten vermehrt Player aus der Ecke der organisierten Aktien-Promoter in den Markt ein.
Nicht nur das - viele ehemalige "Alpha-User" lassen sich mittlerweile selbst zugunsten von bezahlten Promotionkampagnen einspannen.
Das Resultat dieser Entwicklung derzeit ist eine starke Dominanz von - nicht immer, aber sehr häufig! - bezahlten Promotern, die tagtäglich die Messageboards und Aktien-Communities marktschreierisch beherrschen.
Durch die bisweilen starke Verwurzelung dieser Partizipanten in Social Media-Netzwerken wie Facebook, Twitter etc. kann meistens auf eine mehr oder weniger große Anzahl an Gefolgsleuten zurückgegriffen werden.
Anders formuliert: während sich bis vor kurzem noch die Aktivitäten und der Kommunikationsaustausch innerhalb einiger weniger großer Foren abspielte(n), findet derzeit eine starke Zersplitterung in mehr oder weniger große und kleine Zellen statt, die sich für (oft bezahlte) Aktien-Promotions buchen lassen oder hergeben und dann die etablierten Foren wieder aufsuchen, um dort für ihren Auftraggeber etc. "die Trommel zu schlagen"...
Ich kenne und beobachte den Markt mittlerweile seit vielen Jahren - was aber derzeit im Bereich der Aktien-Promotions passiert, gab es in dieser Form bisher noch nicht:
2007 waren mir knapp 100 US-Webseiten/Dienste bekannt, die hin und wieder Aktien-Promotions veranstalteten.
Aktuell sind es aber sage und schreibe fast 1300 solcher US-Webseiten/Dienste (klein und groß, Amateure und Profis), die hier unterwegs sind - mindestens die Hälfte davon ist – mit Stand Ende 2011 - noch keine 12 Monate auf dem Markt!
Unter dem Strich büßt durch diesen Trend die Kommunikationskultur innerhalb der Messageboards extrem stark ein:
Die vielstimmige Kakophonie der Promoter übertönt tagtäglich die immer seltener werdende Due Diligence einer Handvoll von Usern.
Spekulativ durchaus nicht uninteressante Pennystocks werden so kaum noch wahrgenommen - das spekulative Kapital fließt bevorzugt in die Promotionkampagnen.
Die per Promotion angepriesenen Pennystocks haben fast immer ein strukturell ähnliches Muster:
viel zu hoher Kurs bei unattraktiver (weil zu hoher) Aktienstruktur (insbesondere A/S) - ein schneller Blick genügt meistens, um den eigentlichen Zweck der Kampagne (Abverkauf von Aktien bzw. „Dilution“) zu verstehen.
Trotzdem werden über die unzähligen Verteiler und Netzwerke immer wieder genügend Unwissende in solche Aktien hineingetrieben.
Ein weiterer Aspekt ist die zunehmende Tendenz einiger Marktteilnehmer, short selling zu betreiben – dies wird vermehrt durch Broker in den USA gefördert, von denen mittlerweile immer mehr auch das Leerverkaufen von OTC-stocks ermöglichen...
Nach unserer Beobachtung wird in der US-Pennystocksszene seit einigen Monaten verstärkt von dieser Gelegenheit Gebrauch gemacht - meistens kurzfristig und Intraday.
Wie schon die allgegenwärtigen stock-promotions so geht auch das Shortselling von Pennystocks mit einem auffälligen Verlust an „Diskussionskultur“ innerhalb der Messageboards einher.
Polemische Attacken von Skeptikern und/oder notorischen Schlechtrednern (“Basher“) gab es zwar schon immer – trotzdem ist derzeit v.a. im größten US-Messageboard investorshub auffällig, dass der Ton zusehends aggressiver wird und teilweise ganze Gruppen existieren, die bevorzugt dann konzertant auftauchen, wenn eine Aktie gerade etwas „Momentum“ zu entwickeln und zu einem Breakout-Run anzusetzen beginnt.
Meistens versuchen die so auf short selling trades spezialisierten Gruppen mit kleinen Verkäufen in die Bidseite den Kurs zu drücken – oft mit Erfolg, wenn das Buying Volume in einer schwachen Handelsphase gerade fehlt.
Viele unbedarftere Marktteilnehmer lassen sich von der plötzlichen Negativstimmung und dem nachlassenden Bidsupport beeindrucken und schmeißen ihre shares ebenfalls – es folgt das, man in den USA „killing the momo run“ nennt und in eine letztlich negative Dynamik mündet…
Zu diesen kommunikativen und verhaltenspsychologischen Veränderungen unter den Akteuren in der Pennystocks-Szene selbst gesellt sich seit ca. Mitte 2011 nun eine immer stärker um sich greifende Restriktion seitens der DTCC.
Mehr dazu in unserem Folgeartikel – demnächst hier bei Hotstock-News!


























