21.01.2012 Pennystocks-Szene im Umbruch – Teil 2: DTCC & US-Broker
Pennystocks-Szene im Umbruch –
Teil 2: Änderungen bei DTCC und den US-Onlinebrokern
von Markus Miller
Der Pennystockssektor ist in Bewegung – Fakt ist: der Pennystockmarkt in den USA befindet sich seit ca. Sommer 2011 massiv im Umbruch. Szene-Kenner verstehen die aktuelle Situation als fundamentalen „rule change“.
Der
Umbruch vollzieht sich primär auf zwei Ebenen: einmal intern was die
spekulativ interessierten Handelsteilnehmer selbst betrifft, zum anderen
extern-organisatorisch in Bezug auf den Bereich der US-Onlinebroker –
mit unmittelbaren Auswirkungen auf alle Handelsteilnehmer.
Wir skizzieren die aktuellen Changes in 2 Artikeln.
Faktor 2 - Änderungen bei den US-Onlinebrokern
Zu diesen kommunikativen Veränderungen innerhalb der Pennystocks-Szene gesellt sich seit ca. Mitte 2011 eine immer stärker um sich greifende Restriktion seitens der DTCC.
Die DTCC (Depository Trust & Clearing Corporation) ist eine Einrichtung in den USA, über die viele US-Broker die Abrechnung ihrer Wertpapier-Transaktionen abwickeln (sog. "Clearing").
Seit etwa Sommer hat die DTCC nun begonnen, die über ihr Haus das Clearing abwickelnden US-Broker mit exorbitanten Fees für bestimmte Pinksheets-Aktien zu belegen.
Betroffen sind insbesondere Pennystocks, für die ...
...seit längerer Zeit keine Filings, Financial Statements oder sonstige Informationen mehr aktualisiert vorliegen.
Diese Art von Pennystocks wird seither auch als "Non-DTCC eligible" bezeichnet.
Dies hat in der Konsequenz dazu geführt, dass zunehmend mehr US-Broker versuchen, den Handel mit diesen "Non-DTCC eligible" Aktien zu unterbinden - indem die auferlegten hohen Clearing-Gebühren an den Endkunden weitergegeben werden.
Betroffen sind von dieser Entwicklung bisher insbsondere US-Broker (u.a. Zecco), die über Penson Financial Services ihr DTCC-Clearing betreiben.
Über Broker wie Fidelity oder Etrade USA können diese Aktien (zum jetzigen Zeitpunkt) nach wie vor problemlos gehandelt werden - es ist allerdings zu befürchten, dass diese Maßnahmen seitens der DTCC über kurz oder lang alle Broker betreffen wird.
Hintergrund für diese radikale Maßnahme ist das Ziel von DTCC und SEC, den OTC Market zu bereinigen und jene Unternehmen vom Markt zu eliminieren, die keine Anstalten machen, sich zumindest etwas in Richtung der Transparenzstandards zu bewegen.
Einerseits ein begrüßenswertes Vorgehen - andererseits wird dem Mark dadurch sehr viel an spekulativem Reiz entzogen.
Die beiden skizzierten Faktoren entwickeln derzeit eine Eigendynamik mit massiven Konsequenzen für die alltägliche Handelspraxis:
Durch den seitens der DTCC zunehmend nicht mehr erwünschten Handel vieler OTCmarkets-Pennystocks fehlt es diesen Aktien spürbar an Handelsvolumen.
Verständlich - denn niemand interessiert sich für Aktien, für die er u.U. utopische Broker-Fees zu berappen hat.
Für alle Pennystocksaktien, die nicht mindestens "OTCPink Current"-Status aufweisen (OTC Tiers vgl. hier: http://www.otcmarkets.com/otc-101/otc-market-tiers), wird es also zunehmend ungemütlich - diese Aktien werden über kurz oder lang verstärkt ins Visier der DTCC geraten und von Handelsaussetzungen oder Delistings (z.B. an die Greysheets) bedroht sein.
Hintergrund dafür ist die Tatsache, dass solche Companies in der Vergangenheit besonders gerne und häufig Aktien per sog. 504-Ausnahmeregelung in Umlauf brachten. Bei der „Rule504“ handelt es sich quasi um eine Art Lizenz zum Gelddrucken: ohne dies bei der SEC melden zu müssen, können OTC-Companies über diese Ausnahmeregelungen Aktien im Wert von bis zu $1.000.000 neu ausgeben und in den Markt abverkaufen…
Für diese unregistriert ausgegebenen Aktien fallen dann jedoch Clearingkosten an, die bislang besonders zu Lasten der DTCC gingen – daher nun der Versuch der DTCC, fortan hier die Regeln zu ändern…
Auch jene Companies, die vermehrt durch „Name Changes“ und/oder Reverse Splits auffallen und auffielen, dürften ab sofort bei der DTCC verstärkt mit „red flags“ gebrandmarkt werden und auf die Ausgabe von „unregistered“ 504-shares gecheckt werden.
All diese – bisher im OTC-Marktsegment völlig üblichen – Aktivitäten der problemlosen Neuausgabe von Aktien etc. werden in Zukunft für die betroffenen Companies riskanter und unkalkulierbarer.
Umgekehrt werden diese Aktien natürlich zunehmend gefährlicher und damit uninteressanter für den spekulativ interessierten Trader.
Im Zusammenhang mit der Ausgabe von unregistrierten Aktien nach Rule504 geraten im Übrigen auch zunehmend jene Transfer Agents in den Fokus, die letztlich diese Neuausgabe für das Unternehmen abgesegneten (vgl. z.B. die „Litigation Release No. 22083“ vom 02.09.2011 der SEC, in der National Stock Transfer, Inc. der Verletzung von „federal securities laws“ beschuldigt wird).
Mittelfristig werden wohl nur die Companies mit mindestens OTCQB-Status diesen „Säuberungsprozess“ überleben.
Ursprünglich extrem interessante (und oftmals außergewöhnlich lukrative) Spekulationen um z.B. "shell-stocks" (US-Börsenmäntel) oder "Reverse Merger" werden aller Voraussicht nach nicht mehr in der Masse auftreten, wie noch vor einem Jahr...
Ganz einfach deshalb, weil diese Art der Spekulation sich naturgemäß meistens bei Pennystocks entfaltet(e), die aktuell noch keinen "current"-Status bei der SEC bzw. auf OTCmarkets aufweisen.
Es ist leider Fakt, dass viele Aktien aus dem Bereich "Caveat Emptor" bis "OTCPink Limited Information" trotz oft recht vielversprechender Backgroundspekulation kaum noch an Handelsvolumen aufweisen können. Dadurch kommt es bei solchen Kandidaten immer weniger zu Breakouts in PPS und Volumen.
Bisweilen betrifft dies sogar auch die problemlos handelbaren OTCQB-stocks - auch hier fehlt es oftmals auffällig an Volumen, selbst wenn die spekulativen Rahmenbedingungen (wie z.B. Aktienstruktur etc.) stimmen.
Ein Blick auf die Handelsstatistiken beweist das aktuell dramatisch zurückgehende Handelsvolumen im Pennystocks-Sektor:
Im 2.Halbjahr 2011 sank das Dollarhandelsvolumen am OTCBB dramatisch - teilweise um über 50% im Vergleich zum jeweiligen Vorjahresmonat (bitte auf Grafik klicken):
Gleiches kann für die Anzahl an Transaktionen beobachtet werden (bitte auf Grafik klicken):
Der aktuell in Gang gesetzte Cleanup-Prozeß im OTC Pink-Segment lässt viele Interessenten und Spekulanten derzeit erst einmal tendenziell abwartend an der Seitenlinie verharren.
Stattdessen fließt das spekulative Kapital vermehrt in die Promotion-stocks, die täglich én masse und expansiv in den diversen Messageboards und Social Media-Plattformen durch ihre Promoter und Gefolgsleute angepriesen werden. Dort ist die Liquidität zuhause, dort wird derzeit der Markt gemacht...
Kommt es dann bei der ein oder anderen Aktie doch einmal zu etwas überdurchschnittlichem Volumen und steigendem PPS, dann geben sich viele Teilnehmer schon mit kleinerer Performance zufrieden: Schnelle 20-50% sind derzeit für viele schon genug - oftmals werden dann durch solche sehr früh einsetzenden Gewinnmitnahmen potenzielle Breakouts im Keim erstickt, zumal oft weiteres Buying Volume ausbleibt und sich zunehmend eine recht destruktive „Diskussionskultur“ in den großen Messageboards auszubreiten beginnt (siehe dazu Teil 1 dieser Artitelserie).
Die Tendenz vieler Trader geht also derzeit zu sehr kurzfristigen Intraday-Plays mit (aus unserer gewohnten Sicht) relativ niedrigem Performanceziel.
Wer mit 20%, 30% oder 50% leben kann, hat also nach wie vor Möglichkeiten - ansonsten wird die Luft aber bei den allermeisten Plays derzeit etwas dünner...
Wir sind davon überzeugt, dass die aktuellen Tendenzen ganz sicher nicht das letzte Wort sind - die Szene wird sich (insbesondere bei den Promotern) selbst wieder bereinigen.
Wann dies der Fall sein wird, kann derzeit aber noch nicht abgeschätzt werden - ebensowenig, ob die Bestrebungen der DTCC zukünftig weitergeführt werden, oder ob es nicht doch noch zu einer - traderfreundlichen - Kompromißlösung kommt.
Überprüfen Sie auf der Basis der bisherigen Ausführungen, ob Sie sog. "Non-DTCC eligible" Aktien im Depot haben.
Die zuverlässigsten Angaben über "Non-DTCC eligible" Aktien können direkt über die Webseite der DTCC recherchiert werden:
Dort können Sie die jeweils aktuellen Änderungen hinsichtlich nicht mehr zugelassener Aktien (non-eligible) überprüfen.
Entscheidend sind die hinterlegten Dokumente mit Titel "CUSIP’s to be exited from CNS and future trades designated trade for trade".
Nochmals: "Non-DTCC eligible" Aktien sind Werte, für die die DTCC als Clearinghouse den mit ihr verbundenen Brokerhäusern in einem ersten Schritt stark überhöhte Clearing-Gebühren in Rechnung stellt, die diese dann an den Endkunden weitergeben sobald dieser eine solche Aktie kaufen oder verkaufen will.
In einem zweiten Schritt kann es im ungünstigsten Fall bei solchen Aktien zu dauerhaften Aussetzungen vom Handel kommen.
Niemand kann derzeit sagen, ob und wann einmal als "Non-DTCC eligible" eingestufte und in letzter Konsequenz evtl. vom Markt genommene Aktien später wieder zu üblichen Bedingungen handelbar sein werden.
Noch sind nicht alle US-Broker von der Restriktion der DTCC betroffen - d.h., es gibt nach wie vor Möglichkeiten, "Non-DTCC eligible"-Aktien zu den üblichen Bedingungen zu handeln.
Deutsche Onlinebroker könnten dann von den aktuellen Entwicklungen in den USA betroffen sein, wenn deren "Clearing" über PENSON als US-Partner abgewickelt wird (so z.B. bei Cortal Consors).
Im Einzelfall kontaktieren Sie bitte den jeweils von Ihnen genutzten Broker direkt.




























